Rückenwind für nachhaltige Digitalisierung in Brandenburgischen Volkshochschulen

Das  innovative Vorgehen des Brandenburgischen Volkshochschulverbandes bei der Kompetenzentwicklung für die Nutzung digitaler Medien  ist  auszeichnungsreif.  Das jedenfalls sah die Jury des Bildungspreises für das Land Brandenburg in diesem Jahr  so und  vergab dafür den zweite Preis im landesweiten Bildungswettbewerb.  Erst vor einem Jahr hat sich der Landesverband mit dem Projekt "digital.elw" systematisch auf einen konzertierten  Weg in Sachen nachhaltiger Digitalisierung gemacht. Zum Abschluss sind nun drei viel versprechende Blended Learning Pilotprojekte am Start in der vhs.cloud.

Projektmitarbeiter Ronny Heinemann und Alexander Gehrke freuen sich über den zweiten Preis im landesweiten Bildungswettbewerb.  © Evelyn Dahme

Mit dem dynamischen Modellprojekt "digital.elw",  das vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg gefördert wird,  lotet der Brandenburgische Volkshochschulverband seit dem Sommer 2017 ganz systematisch die Chancen der Digitalisierung für die vhs-Arbeit aus. Das Projekteteam um Ronny Heinemann und Alexander Gehrke ist dafür noch bis Ende 2018 im ganzen Bundesland unterwegs. Mit dem Ziel, Volkshochschulen in dem Flächenland ganzheitlich, konkret und individuell zugeschnitten auf die eigenen Bedingungen zukunftsfähige wie praktikable Wege aufzuzeigen, Hindernisse auszuräumen und Leuchttürme ins Land zu setzen, von denen alle 20 Volkshochschulen des Landesverbandes profitieren können.


1. Schritt: Umfrage
Heinemann und Gehrke befragten zunächst mehr als 200 Kursleitende, pädagogische Fachkräfte und Leitungen aus den 20 Volkshochschulen des Bundeslandes zur Nutzung digitaler Instrumente in der vhs-Arbeit. Sie waren von der Offenheit überrascht: Weder Alter noch Reserviertheit gegenüber den digitalen Entwicklungen sind die wahren Bremsen digitaler Innovation vor Ort.  Es wird schon viel an digitaler Technik genutzt, so Heinemann, allerdings werden deren Möglichkeiten noch nicht optimal  ausgeschöpft. Gebraucht werde in den Volkshochschulen vor allem Unterstützung im IT-Support und bei der Beschaffung von geeignetem Gerät und passender Software. Ebenso sind zunächst niedrigschwellige Schulungen zur Nutzung digitaler Technik angesagt. "Wir können nicht von allen Kursleitenden oder pädagogischen Mitarbeitenden erwarten, dass sie Technikfreaks sind", sagt der Projektleiter.

2. Schritt: Organisationsentwicklung
Bei allen Bemühungen geht es weder um Kosmetik in Einzelpunkten noch um die digitale Strategie um jeden Preis. Seit Anfang des Jahres sind die beiden Kollegen in den Landkreisen unterwegs, um nicht nur mit den Leitungen, sondern mit allen Akteurinnen und Akteuren vor Ort an einem Tisch gemeinsam zu überlegen, wohin der digitale Weg führen kann. Sie haben als Beratungsinstrument den Medienentwicklungsplan des Landes  Brandenburg für Schulen an die für wesentlich kleinere Organisationseinheit der vhs übersetzt. Alle Fragen finden Eingang in ihre Beratungen: Sie reichen von Hardware bis Honorar, von Didaktik bis Marketing, von Datenschutz bis Kompetenzentwicklung. Mal geht es darum, Kommunikationsprobleme auszuräumen, mal darum, Ressourcenfragen zu klären. Heinemann erläutert: "Im Flächenland Brandenburg, das mehr als zehnmal so groß ist wie das Saarland, führt die häufige Unterbesetzung im IT-Support der Landkreise als vhs-Träger mitunter zu langen Anfahrtswegen und damit zu erheblichen Supporteinschränkungen. Ein anderes Problem bereitet die unterschiedliche Qualität von Internetverbindungen im Bundesland. Man muss sich natürlich fragen, was Klassensätze von Tablets nutzen, wenn die vhs vor Ort keine stabile Internetverbindung hat." 

3. Schritt:  digitales Marketing
Wie kann ich digitale Angebote im ländlichen Raum zielgruppengerecht bekannter machen?  Gemeinsam mit einem Marktforschungsinstitut analysierten Heinemann und Gehrke dafür die technischen Voraussetzungen und untersuchten Adressatengruppen genauer. Darauf aufbauend entstand der Entwurf eines Marketingkonzeptes. Erste praktische Erfahrungen zur zielgruppengerechten Vermarktung von vhs-Angeboten werden nun auf einer eigenen Facebook-seite im Rahmen des Projektes und mit eigener Bannerwerbung auf Google gemacht.
 
4. Schritt: Pilotvorhaben
Aus dem Gesamtbild heraus setzte der Brandenburgische Volkshochschulverband nun Schwerpunkte  für Blended Learning-Pilotprojekte. Sie sollten anschlussfähig auch für andere Volkshochsculen sein. Ronny Heinemann sagt: "Wir wollen forcieren, dass die vhs.cloud  genutzt wird und Kursleiterinnen und Kursleiter Erfahrungen mit der Plattform sammeln." Gefördert werden  u.a. ein Blended-Learning-Spanischkurs, ein Smartphone-Kurs für Ältere, mit  Anleitungsvideos als Ergänzung zum Präsenzkurs  oder auch die Entwicklung einer neuen digital unterstützten Erwachsenenpädagogischen Qualifizierung (EPQ).
Eine wichtige Vorarbeit, weil einzelne Volkshochschulen oftmals nicht über die Mittel verfügen, selbst digitale Lernbausteine zu entwickeln, um ihre Präsenzkurse damit zu bereichern.
Heinemann kann sich für die Vision eines Content-Pools in der vhs.cloud begeistern, aus dem alle Akteurinnen und Akteure der vhs-Welt schöpfen können. Die ersten Schritte sind im Landesverband dazu getan. Der 2. Platz im diesjährigen Wettbewerb um den Weiterbildungspreis des Landes Brandenburg sorgt zudem für den richtigen Rückenwind. "Es hat sich als richtig erwiesen, für die Entwicklung digitaler Lernwelten immer die gesamte Organisation und einen langfristigen Zeitraum in den Fokus zu nehmen. Dass das auch von anderer Seite gewürdigt wird, freut und bestärkt uns sehr.", so Heinemann.

Ausführliche Umfrageergebnisse

Ansprechpartner für das Projekt "digital.elw - Kompetenzentwicklung für die Nutzung digitaler Medien im Brandenburgischen Volkshochschulverband": 
Ronny Heinemann
Projektleiter
Tel.: 0331 2006693
heinemann(at)vhs-brb.de


Erschienen am 31. August 2018
Autorin: Ines Nowack, DVV

 
 
 
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